Expose über das Buch "Die Seele Gottes"Aufbau des BuchesDas Buch „Die Seele Gottes“ ist hauptsächlich autobiographisch aufgebaut, wobei die beschriebene Thematik (die Leere, Weite, Desorientierung, Frage nach Gott) nicht theoretisch doziert, sondern kontinuierlich - und immer wieder mit neuen Akzenten - im geschriebenen Text gewissermaßen selber erscheint und dadurch für den Leser nachfühlbar wird. Das, was beschrieben wird, `mogelt´ sich sozusagen auch im Schreibstil mit hinein und erzielt so eine Doppelbödigkeit. Das Buch schreitet voran, in dem erzählerisch immer mehr aus der Themenstellung "heraus-entwickelt" wird und der Autor selbst eine Ahnung davon bekommt, dass etwas "undefinierbar Angsteinflößendes" ja durchaus sich auch zu etwas Anderem, Besserem wandeln kann, wenn man nur nicht "im Kopf hängen bleibt". Das Buch ist bewusst so aufgebaut, dass der Leser das Ganze mit nachvollziehen und nachspüren kann. Die Richtung ist deutlich: Ein westlicher Denker kommt ungewollt mit östlichen Weisheiten in Verbindung, und versucht, diese seine "gefühlten, für ihn oft befremdlichen Eindrücke" zu verarbeiten. In welche Richtung er sich dadurch bewegt, ist spannend, authentisch, interessant; die Suche nach dem "ersehnten Kontext", zieht sich wie ein roter Faden bis zum Ende des Buches....und tatsächlich erscheinen dann auch "Weisheiten", die es zu entdecken und zu erringen gibt. Der Hauptteil des Buches endet mit einem unüblichen, in der Regel gemiedenen Thema (Toilettengang) und vollendet sich dadurch aber erst konsequent. Es schließen sich zwei Kurzgeschichten an, in denen symbolisch die Auswirkung von Neurose dargelegt wird. Einen ganz eigenen Teil liefern die Sinnsprüche, die als ein Extrakt der vorab auf knapp 180 Seiten beschriebenen Problematik dienen sollen. Hier verdichtet sich noch einmal das Erarbeitete in teilweise recht humorvollen, teilweise sehr tiefsinnigen Sprüchen. Zielsetzung und ZielgruppeDer Autor möchte authentisch, nachfühlbar und lebendig etwas erzählen und darstellen, für das es "eigentlich keine Worte" gibt. Aber gerade deswegen durchstreift er dabei seine Erinnerungen, Erlebnisse, Enttäuschungen und die darauf oft schmerzhaft folgenden Einsichten (z.B. dass es in einem dogmatischen, engen Raum, niemals Antworten für dieses "Unaussprechliche Etwas" geben kann). Das Ziel ist es, dem Leser zu verdeutlichen, wie sehr wir uns oft in "gedachte Sackgassen" stellen, ohne die Konsequenz oder gar die Widersprüche solch enger Standpunkte zu begreifen. Die Darstellung des Christentums im Buch kann dabei provozierend wirken, ist aber letztlich nur folgerichtig und konsequent im Gesamtzusammenhang: Das Dogma scheitert an seinen eigenen Wider- und Ansprüchen, die es selber weder durchschaut, noch überhaupt aufrecht erhalten kann; denn das christlich- konservative Denken weicht der Frage aus, wer es denn überhaupt ist, der da in uns die Entscheidungen fällt und eine Wahl trifft. Und so entwickelt sich der Gedanke immer weiter, dass das "Göttliche" womöglich von "einer völlig anderen Seite und Art" an uns herantritt bzw. beschaffen ist. Durch die Art des Schreibens wiederum lädt der Autor den Leser zu dieser "unendlichen Weite" ein. So ist die Zielgruppe einfach und schnell umrissen: "Esoteriker", Menschen die sich für östliche Weisheit und Buddhismus interessieren, kritische - vielleicht auch enttäuschte Christen, offene, religiös interessierte, oder einfach nur suchende Menschen. Das Buch regt zu Diskussionen, gerade mit Christen an, und wird sich sicher seinen berechtigten Platz erobern, auch innerhalb eines kritischen Christentums.... Inhalt des BuchesErzählt wird die Geschichte eines ehemaligen Pastors, der bisher annähernd 5 000 Bücher in seinem Leben gelesen hat, allein deswegen, weil er schon immer auf der "Suche nach Wahrheit" war. Aufgewachsen mit 5 Geschwistern bei einer allein erziehenden Mutter, die sich bereits sehr früh hatte scheiden lassen, war er von Anfang an mit Gefühlen und Eindrücken konfrontiert, für die er schon als Kind niemals passende Worte finden konnte. Er erkennt, dass hier etwas geschah (und noch geschieht), das offensichtlich außergewöhnlich, nicht "normal", aber auch überaus "grausam" für ihn ist. Er beschließt, zu forschen, um herauszufinden, was hier vor sich geht. Er findet zum Christentum, zur Philosophie, zur Psychologie, zur Esoterik, zu "östlichem Gedankengut", entdeckt "weise Männer" und erkennt, dass das Denken eines westlich geprägten Menschen - so wie in seinem Fall - überaus nachteilig, ja geradezu krankmachend und verstörend sein kann. Er macht tatsächlich erst nach seinem 40 Lebensjahr (!!) 2 Autorinnen ausfindig, die ziemlich genau jene Gefühls-und Desorientierungzustände beschreiben, die er schon sein Leben lang erlebt, aber die er bis dahin niemals bei anderen Menschen hatte aufspüren können. Und bekommt dadurch solchen inneren Aufwind, dass er sofort beschließt, auch seine eigene Geschichte aufzuschreiben - die Geschichte der (vermeintlichen) "Entdeckung Gottes", eines Gottes, der in seiner unendlichen Weite und in seiner Unaussprechlichkeit, seiner "Nicht-Auslotbarkeit" wegen gerade nicht in menschliche Vorstellungs-Rahmen einzufügen ist. So geht der Autor konsequent und entschlossen dazu über, das menschliche - insbesondere das christlich-dogmatische Denken - in seiner Widersprüchlichkeit und in seiner Naivität und Ignoranz gegenüber tiefer liegenden Wahrheiten, deutlich zu benennen, um den Leser zu ermutigen, den nächsten, weiterführenden Schritt zu tun, und sich nicht angstvoll an althergebrachten Vorstellungen zu klammern. Die "Freiheit Gottes" ist offensichtlich die "unendliche Weite" - und wir sind - wenn es sich so verhält - dann am Ende vielleicht gar die "Seele Gottes". |