„Presseartikel“ über das Buch"Die Seele Gottes" „Die "Seele Gottes" ist nicht mit Händen zu greifen“Schon viele Bücher wurden über das Thema Religion und Christentum geschrieben. Die Kost aber, die uns Helmut Rittirsch in seinem Buch „Die Seele Gottes“ anbietet, wird für manch Gläubigen allerdings erst einmal schwer zu verdauen sein. „Der Mensch kommt nicht an sich selbst vorbei, oder anders gesagt – Gott kommt nicht am Menschen vorbei“, so schreibt es Rittirsch – provozierend und einfach, erfrischend und wagemutig – in seinem engagierten Erstlingswerk. Was der ehemalige Pastor und praktizierende Psychotherapeut in seiner annähernd 250 Seiten umfassenden „Bestandsaufnahme“ hier von sich gibt, ist durchaus lesenswert und keinesfalls etwa als zynischer Kommentar gegenüber der üblichen christlichen Glaubenspraxis zu verstehen. Rittirsch war ja selber über viele Jahre hinweg Mitglied einer strengen, konservativen Glaubensgemeinschaft. Und erst nach und nach gelang es ihm, sich neuen, weiteren Horizonten zu öffnen, einfach dadurch, weil ihm mehr und mehr deutlich wurde, wie wenig doch das, was er hier glaubte, mit seiner "eigentlichen inneren Wahrheit" zu tun hatte. „Natürlich“, so Rittirsch, „kann und soll jeder glauben was er möchte“. Doch ließe sich nur allzu leicht beobachten, dass unzählige Menschen sich selber gegenüber schlicht unehrlich sind, und schon viel zu lange nicht mehr danach gefragt haben, ob sich ihre Glaubensüberzeugungen "authentisch" anfühlen, oder in wie weit diese überhaupt noch haltbar sind gegenüber dem eigenen inneren, intuitiven Wissen, das - laut Rittirsch - ausnahmslos jeder Mensch in sich trägt, was jedoch die meisten „Gläubigen“ beharrlich ignorieren. „Die Seele Gottes“ rührt an tief in uns liegende Grundsatzfragen, die letztendlich jeden betreffen. Doch die Erörterung dieser Fragen geschieht hier – und das macht ohne Zweifel die Stärke dieses Buches aus - auf beinahe beklemmende, unwiderstehliche, überaus konsequente Art und Weise, in dem das Buch die allgemeine Wahrnehmung von uns Menschen einer eingehenden Prüfung unterzieht und auffallend schnörkellos, dabei ohne Schönfärberei, die Glaubensmuster der Christen als Spiegelbild und Wunschgebilde der eigenen Entscheidungen entlarvt, die ja niemals von außen (also von Gott) an uns heran getragen werden, sondern immer und ausnahmslos den Stempel unserer „menschlichen Angewohnheiten“ sowie unserer eingeschränkten, engen Blickrichtungen tragen. Rittirsch setzt dabei sogar noch einen drauf: „Es kann ja gar nicht anders sein – und warum auch sollte es anders sein?“ Die Kontroversen und das Veto der christlichen Kirchen scheinen hier also bereits vorprogrammiert. Denn was – so fragt sich der Christ – bleibt hier am Ende noch von "seinem Gott" übrig, wenn ja doch alles, was er bisher geglaubt hatte, den eigenen Wünschen, menschlichen Vorstellungen oder gar Angstgebilden entspringt? Helmut Rittirsch entzieht sich dieser Frage nicht. Er berichtet ehrlich und ungeschminkt von seinen eigenen Ängsten, insbesondere jener Existenzangst, die ihn bereits schon als kleines Kind gepeinigt und schier in die Verzweiflung getrieben hatte. Dennoch wusste er, dass dabei etwas geschah und noch geschieht, dass sich in "keinen menschlichen Rahmen einfügen lässt". Nun aber eben genau an dieser Schwelle nicht stehen zu bleiben, sondern sich seinen Ängsten, seinen Wünschen, ja, seinen Schattenseiten zu stellen, scheint hier die unumgängliche Aufgabe und ein Muss für all diejenigen zu sein, die sich mit „Oberflächlichkeiten“ und nur „allzumenschlicher Begrenztheit“ nicht mehr länger zufrieden geben wollen, so Rittirsch. Hierzu sagt er weiter: „Mein Ziel ist es, dem Leser zu verdeutlichen, wie sehr wir uns oft in "gedachte Sackgassen" begeben, ohne die Konsequenz oder gar die Widersprüche dieser engen Standpunkte zu begreifen. Das Dogma scheitert (ja) an seinen eigenen Wider- und Ansprüchen, die es selber weder durchschaut, noch überhaupt aufrecht erhalten kann; denn das christlich-konservative Denken weicht schon immer der Frage aus, wer es denn überhaupt ist, der da in uns die Entscheidungen fällt und eine Wahl trifft“. Im Buch „Die Seele Gottes“ können wir also lesen, wie ein westlicher Denker offensichtlich ungewollt mit östlichen Weisheiten in Verbindung kommt. In welche Richtung er sich dadurch bewegt, ist mitreißend und spannend. Die Suche nach dem "ersehnten Kontext", zieht sich dabei wie ein roter Faden bis zum Ende des Buches; und immer weiter entwickelt sich dabei jene aufkeimende, diffuse Einsicht, dass das "Göttliche" womöglich von "einer völlig anderen Seite und Art" an die Menschen herantritt bzw. beschaffen sein muss. So ist die "Freiheit Gottes" - nach der Auffassung Helmut Rittirsch´s - die "unendliche Weite" - und wir selbst sind dann - wenn es sich so verhält - am Ende gar die "Seele Gottes". Ein spannendes Resümee in einem ebenso spannenden, nicht alltäglichen, und durchaus lesenswerten Buch. |