Meine Arbeit als PsychotherapeutBei meiner Arbeit gehe ich von der Maxime aus, dass es in uns allen eine Kraft gibt, die uns nach vorne treibt, die uns erinnert und ermutigt, unseren eigenen Ausdruck zu finden; einen Ausdruck, der schon immer für uns – und NUR für uns –bereitgelegen hat, ja, weiterhin bereitliegt, und der darauf wartet, endlich von uns „abgerufen“ zu werden. Die Aufgabe der Therapie, ganz egal welcher Art, ist es, diese Kraft erneut ins Bewusstsein des Menschen zu heben, und ihm dadurch ein glücklicheres und erfülltes Leben zu ermöglichen. Nachdem ich über viele Jahre selbst bei zahlreichen Therapien, Seminaren, Übungen und Gruppen zugegen war, kann ich mir inzwischen ein recht umfangreiches Bild darüber machen, was der „Therapeuten-Markt“ alles so hergibt. Und doch blieb immer die Frage: Was ist die Essenz all dessen, was sich für mich hier deutlich oder weniger deutlich durch die vergangenen Jahre herauskristallisiert hat? Was hilft dem Menschen wirklich? Und in der Rückschau stelle ich fest, daß die größten Inspirationen und die besten Einsichten für mich stets von jenen Menschen kamen, die es wagten, ihre Persönlichkeit weitestgehend da sein zu lassen, und die unverblümt, geradeheraus und ehrlich mit mir umgingen. Nicht immer zwar konnte ich sofort annehmen, was ich zu hören bekam. Doch die Gespräche wirkten nach, und entfalteten - manchmal erst nach Jahren - ihre eigentliche Wirkung. In der Regel dann, wenn sich die Themen zu wiederholen schienen, und die Erinnerung das jeweils Ihrige tat, um das damals Gehörte ganz frisch in den neuen Zusammenhang einzubauen. Auf diese Weise ging nichts verloren, aber manches hatte erst zu späterer Stunde seine „Blütezeit“. Wenn ich heute therapeutisch tätig bin, so tue ich dies in dem Bewusstsein, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg zu seelischer Gesundheit bzw. Ganzheit finden darf und muss. Es gibt keine Methode, die allein richtig, die absolut gültig oder privilegierter wäre als andere. Nein, so unterschiedlich wir Menschen in vielen Bereichen sind, so unterschiedlich sind auch die Zugangsweisen, die uns Therapeuten dem Klienten erst näher bringen können. Dabei ist es die eigentliche Aufgabe des Therapeuten, sich möglichst rasch wieder„überflüssig“ zu machen. Der Klient braucht nämlich keine Amme oder einen Guru, die oder der ihm sagt, was richtig oder falsch ist. Am Ende geht es darum, dass der Klient für sich selbst herausfindet, was in seinem Leben funktionieren kann und was ihn daran hindert, sein ganzes Potential zu entfalten und auszuleben.. Dies – und nur dies allein – ist die Aufgabe des Therapeuten. Er ist „die Hebamme“, die schließlich nicht mehr gebraucht wird, wenn das Baby erstmal auf die Welt geholt worden ist. Die Menschen sind stark – stärker als sie es selbst von sich denken. Wenn wir mit unseren Ressourcen in Kontakt kommen, haben wir alles, was wir für ein glückliches Leben benötigen. Der therapeutische Prozess ist folglich ein gemeinsames Vortasten, und kein dogmatisch feststehendes Gerüst, an das sich der Klient – gemäß dem Willen des Therapeuten - anpassen muss. Dennoch gilt die Devise: Ein einmal erkannter Weg muss auch beschritten werden. Und dies nicht im dogmatischen, von außen „befohlenen“ Sinne, sondern von innen her, aufgrund einer Einsicht, die dem Klienten zugeflossen ist, und an der er sich nun weiter ausrichten kann. |